
"Wir waren ein Volk von acht Millionen Khmer ", rechnete König Norodom Sihanouk Staatsgästen vor. "In den zwei Jahrzehnten Krieg starben vier Millionen." Ein zerstörtes und verstörtes Land. "Wie konnte das passieren?"
Der Vietnamkrieg endete mit der Machtergreifung der Roten Khmer in Kambodscha, die unter ihrem Führer, Bruder Nr. 1 - Pol Pot, von 1975 an das wohl brutalste, blutigste und menschenverachtendste Terrorregime des späten 20. Jahrhunderts errichteten. Sie ermordeten mit ihrem Wahn vom kommunistischen Bauernstaat zwei bis drei Millionen ihrer Landsleute. Unmittelbar nach ihrem Sieg 1975 trieben sie die gesamte Bevölkerung der Grossstädte aufs Land, das betraf sowohl die bettlägerigen Kranken aus den Hospitälern sowie alle Kinder und Alten. Nach dem Ende ihrer Schreckensherrschaft gab es zum Beispiel nur noch wenige tausend Lehrer im gesamten Lande, die medizinische Versorgung war gleich Null, die Intelligenz, soweit man ihrer habhaft werden konnte, wurde totgeschlagen. Mit der Stunde Null wurden Geld, Besitz, Schulen, Märkte, Familien und Religion abgeschafft, Brillenträger als Intellektuelle getötet. Ein Volk in dunklen Kutten strömte auf die Reisfelder. Die Ideologie des Mao Zedong und der chinesischen Kulturrevolution sollte in Kambodscha durch die Khmer Rouge mit der Utopie des steinzeitlichen Agrarkommunismus perfektioniert werden.
Die US-Bombenregen der frühen Siebziger in Ostkambodscha hatten das Volk der Khmer geeint. Selbst die reaktionären "Khmer bleu" waren dem Aufruf des damaligen Prinzen Norodom Sihanuk in den Dschungel gefolgt zum "Maquis"-Widerstand an der Seite des mysteriösen "Angkar", der Roten Khmer. "Ohne die US-Invasion in Ostkambodscha", so Hun Sen später, "hätte es keinen Pol Pot gegeben. Das involviert auch Präsident Richard Nixon und Dr. Henry Kissinger, Sicherheitsberater und US-Aussenminister."
1970 weiteten die USA den Vietnam-Krieg auf Kambodscha und 1971 auf Laos aus. Sie beabsichtigten damit, den Vietcong seiner Operationsbasen in den Grenzgebieten dieser beiden Ländern zu berauben und seinen Nachschub aus Nordvietnam abzuschneiden. Ziel war es u.a., den Hồ-Chí-Minh-Pfad, welcher ein Netzwerk aus Strassen, das von Nordvietnam nach Südvietnam reichte und zum Teil durch die Nachbarländer Laos und Kambodscha führte, zu unterbrechen. Wenige Tage nach der von der CIA unterstützten Machtübernahme von General Lon Nol (Prinz Sihanouk war in Peking) begannen gemeinsame Angriffe der kambodschanischen, amerikanischen und südvietnamesischen Armee gegen die zahlreichen Vietcong-Stützpunkte in Kambodscha, und Kambodscha erklärte den Krieg gegen die Vietcong und die Nordvietnamesische Armee.
Nixon und Kissinger eskalieren die Flächen-Bombardements über Kambodscha.
( declassified transcripts of telephone conversations - Source: Yale University ) Von März 1969 bis August 1973 werden rund 3.500 B-52-Angriffe durch die US Airforce ausgeführt. Die Operationen tragen die Namen "Breakfast", "Lunch", "Dinner", "Snack" usw.
Dabei werden 539.129 Tonnen Bomben mit teilweise bis zu 200 Einsätzen pro Woche abgeworfen. Dies entspricht etwa 3 Tonnen Bomben pro Quadratkilometer oder der doppelten Menge der Bombenlast, die auf Japan im zweiten Weltkrieg abgeworfen wurde. The Fog of War - Eleven Lessons from the Life of Robert S.McNamara
Diese Flächenbombardements und der daraus resultierende Hass der Landbevölkerung auf die USA bildeten eine wichtige Voraussetzung für den Aufstieg der Roten Khmer. Die Schätzungen der Opfer unter der kambodschanischen Zivilbevölkerung reichen dabei von 200.000 bis zu 1,1 Millionen. Der Grossteil des kambodschanischen Farmlandes wird zerstört.
Parallel dazu wurden von 1971 bis 1975 seitens der USA rund 1,1 Milliarden Dollar an Militärhilfe in Form von Waffen, Ausrüstung und Sold nach Phnom Penh transferiert. Bereits 1972 schätzte der US-Senat die Anzahl der Kriegsflüchtlinge in Kambodscha auf 2 Millionen Menschen. Trotzdem wurden jeden Tag weiterhin für 1 Million Dollar Waffen, Munition und Sold nach Phnom Penh geliefert, während die humanitären Lieferungen für die Flüchtlinge gerade mal 3 Millionen Dollar pro Jahr betrugen. Die Flächenbombardements der USA sorgten nicht nur für eine breite Unterstützung der Landbevölkerung für die Roten Khmer, sondern hinterliessen auch zahlreiche Kriegswaisen, die von den Roten Khmer aufgenommen und zu erbarmungslosen Kindersoldaten ausgebildet wurden. Umgekehrt wurden zahlreiche Flüchtlingskinder in Phnom Penh durch die Regierungsarmee aufgegriffen und in die Uniform gezwungen.
Aus seinem Exil in Peking repräsentierte Prinz Sihanouk mit Hilfe der Volksrepublik China die Roten Khmer gegenüber der Weltöffentlichkeit als nationale Befreiungsorganisation für Kambodscha. Zunehmende Angebote für Friedensverhandlungen lehnte er ab.
Mit der Beendigung der amerikanischen Flächenbombardements 1973 und dem Abzug des Vietcong und der nordvietnamesischen Armee aus Kambodscha kambodschanisierte sich der Krieg und wurde nur noch durch die Waffenlieferungen der Volksrepublik China für die Roten Khmer und der Militärhilfe der USA für die Regierungsarmee aufrechterhalten.
Im April 1975 ergaben sich die rund 2 Millionen Einwohner Phnom Penhs. Etwa 20.000 Soldaten der Roten Khmer besetzten die Stadt. Das Durchschnittsalter der Soldaten betrug 13 Jahre. Die Roten Khmer wurden zunächst mit Begeisterung als Befreier empfangen, da die Stadtbevölkerung glaubte, dass Prinz Sihanouk als offizieller Repräsentant der Roten Khmer für eine Versöhnung der Stadt- und Landbevölkerung Kambodschas sorgen würde. Die Roten Khmer befürchteten jedoch einen Aufstand der Stadtbevölkerung und vertrieben die Menschen binnen dreier Tagen mit Waffengewalt auf das Land. Stadtbewohner, die sich in ihren Häusern versteckten, wurden getötet. Nach einer Woche ist Phnom Penh eine Geisterstadt, und es begann die vierjährige Diktatur der Roten Khmer, in deren Verlauf fast die gesamte ehemalige Stadtbevölkerung getötet wurde.
Um für die aussenpolitischen Ziele genügend Waffen zu haben, schlossen die Roten Khmer mit China einen Vertrag, der die Lieferung von Waffen gegen Reis vorsah. Dies erforderte die Verdreifachung der geplanten und ohnehin nicht erreichten Reisproduktion. Der daraus resultierende Druck auf die lokalen Funktionäre und die durch eine Dürre verstärkte Hungersnot der Bevölkerung führte vereinzelt trotz der totalitären Kontrolle zu Revolten, die jedoch brutal niedergeschlagen wurden. Ebenso gnadenlos wurden diejenigen bestraft, die Zahlen fälschten, um das Erreichen des Solls vorzugeben. Die Nichteinhaltung der Planziele wurde durch die Führung der Roten Khmer als Sabotage der lokalen Funktionäre betrachtet und führte zu wiederholten politischen Säuberungsaktionen in den eigenen Reihen der Roten Khmer.
Aussenpolitisch griffen die Roten Khmer wiederholt, jedoch erfolglos Grenzgebiete in Thailand und Vietnam an. Vietnam löste in dieser Zeit seine politischen Verbindungen mit der Volksrepublik China und intensivierte seine Beziehungen mit der UdSSR, während die Roten Khmer ihre Verbindungen mit der Volksrepublik China vertieften. Schliesslich konzentrierten die Roten Khmer ihre Angriffe primär auf Vietnam, was seitens der Weltöffentlichkeit als Stellvertreterkrieg zwischen der UdSSR und der Volksrepublik China betrachtet wurde.
Nach massiven Angriffen der Roten Khmer auf vietnamesische Dörfer marschierte die vietnamesische Armee nach Kambodscha ein und besetzte das Land binnen weniger Tage. Die Roten Khmer flüchteten in die schwer zugänglichen Berggebiete an der Grenze zu Thailand und begannen mit Unterstützung der Volksrepublik China, der USA und Thailand einen Guerillakrieg gegen die vietnamesischen Besatzer.
Das Missmanagement der Roten Khmer im Reisanbau, gezielte Zerstörung der verbleibenden Reisvorräte durch die Roten Khmer, Reis-Beschlagnahmungen durch die vietnamesische Armee, aber auch die einfache Flucht der Feldarbeiter aus den ehemaligen Kollektiven zu ihren Heimatdörfern führte zu einer landesweiten Hungersnot, die im Oktober und November 1979 zum Tode von etwa 200.000 Kambodschanern führte.
Durch die Isolation des Landes drangen kaum Berichte über die Zustände an die Weltöffentlichkeit und die wenigen Berichte wurden als unglaubwürdig oder wahlweise als vietnamesische oder amerikanische Propaganda deklariert.
Die Bilder der über die Grenze nach Thailand flüchtenden Kambodschaner, die kaum mehr als lebende Skelette waren, lösten eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft aus. Auf massiven Druck der USA öffnete Thailand schliesslich seine Grenzen für die Flüchtlinge und gestattete den Aufbau von Flüchtlingslagern, die von der UNO, dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen versorgt wurden. Zwischen 1979 und 1992 flüchteten etwa 300.000 kambodschanische Flüchtlinge in Camps an der thailändischen Grenze. Weitere 350.000 lebten ausserhalb von Flüchtlingscamps in Thailand und etwa 100.000 flüchteten nach Vietnam. Die Camps in Thailand wurden extern durch das thailändische Militär bewacht und intern zu einem Grossteil durch die Roten Khmer kontrolliert. Etwa 250.000 Kambodschaner aus diesen Camps fanden im Laufe der Jahre Aufnahme in Europa und den USA , die anderen wurden 1992 nach der Besetzung Kambodschas durch die UNO wieder zurückgesiedelt.
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Der vietnamesische Bürgerkrieg
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